

Nach 30 Jahren – noch einmal mein Patient
Wir haben uns nie aus den Augen verloren
Artikel in der SZ vom 03./04.11.2007
Vor 30 Jahren, im Oktober 1977, bin ich als junge »Arbeits- und Beschäftigungs-Therapeutin« (so wurde damals die Ergotherapie genannt) an das Bautzener Kreiskrankenhaus gekommen. Ich hatte nach meiner Ausbildung zur Krankenschwester erst einmal den Beruf einer Physiotherapeutin erlernt und bin dann über eine berufsbegleitende Zusatzausbildung zur Ergotherapie gekommen.
Dieser Beruf galt damals noch als sehr exotisch und ich war auch »weit und breit« die einzige. Entsprechend auch meine Arbeitsbedingungen der ersten Jahre im Krankenhaus: Im Keller, ohne Tageslicht und auf 16m² versuchte ich mitzuhelfen, damit die Patienten verloren gegangene körperliche oder geistige Funktionen wiedererlangten.
Wir waren sehr fleißig. Ging es doch darum, vor allem über die Herstellung eines »nützlichen«, meist kunstgewerblichen Produkts den Heilungsprozess zu fördern und den Patienten in die Lage zu versetzen, Dinge des täglichen Lebens wieder selbständig zu bewältigen. Einen Teil der so entstandenen Textilien, Lederarbeiten und Keramiken konnten die Patienten fürs Wohnzimmer mit nach Hause nehmen. Der andere Teil kam zur Betriebsfeier des Krankenhauses, zum Tag des Gesundheitswesens im Dezember, auf einen Basar. Das war gewissermaßen der jährliche Höhepunkt. Konnte ich doch so aus meinem »Kellerdasein« ans »Licht der Öffentlichkeit« treten. Der Ansturm auf die Verkaufstische war immer gewaltig. Wusste doch jeder, dass man so kurz vor dem Weihnachtsfest noch schnell ein kleines Geschenk für die Verwandtschaft erstehen konnte.
Das alles änderte sich mit der Wende. Das Betätigungsfeld der Ergotherapie verschob sich drastisch. Kunsthandwerkliche Tätigkeiten waren und sind immer noch Bestandteil ergotherapeutischer Behandlungen. Aber die Patienten wurden jetzt von den Ärzten wesentlich früher geschickt und die Verweildauer in der Ergotherapie war wesentlich kürzer. Außerdem konnten nun kunstgewerbliche Artikel, besonders die heiß begehrten Töpferwaren, überall gekauft werden und eine Krankenhaus-Betriebsfeier mit Basar existierte auch nicht mehr.
Aber viel wichtiger: Endlich gab es eine breite Palette von Fortbildungsmöglichkeiten. Lehr- und Fachbücher waren vorhanden und eine fast unüberschaubare Anzahl von Seminaren, Kursen und Lehrgängen im In- und Ausland. Es begann eine Zeit intensiven Lernens und des gleichzeitigen Anwendens am Patienten. Dies hat eigentlich bis heute angehalten. Ganzheitliche, das heißt den Patienten als Ganzes sehende Behandlungskonzepte, wie »Spiraldynamik®«, Bobath und Perfetti kamen zur Anwendung. Auch veränderten sich die räumlichen Bedingungen. In größeren Räumen, auf fast 100 m², konnten nun wesentlich mehr Patienten auf unterschiedlichste Art behandelt werden. Auch stand die Arbeit auf den Stationen, unmittelbar am Krankenbett des Patienten, mehr im Mittelpunkt. Allerdings blieb ich weiterhin allein.
Dann 2004 noch einmal ein großer Schritt: Die Einrichtung einer eigenen Praxis. Ein Schritt, den ich bisher keine Minute bereut habe und den ich vielleicht hätte schon viel eher gehen sollen. Auf der anderen Seite möchte ich aber auch die 27 Jahre Erfahrung mit Patienten im Krankenhaus nicht missen. Denn nur voller Ideen und mit viel Liebe zum Patienten konnte das Pensum alleine in so einem großen Krankenhaus geschafft werden.
Diese Erfahrungen kommen mir in meiner neuen Praxis sehr zu gute. Zu viert behandeln wir nun auf 200 m² Therapiefläche. Eingerichtet nach meinen Vorstellungen, können wir therapeutisch, seelisch und geistig für die Patienten da sein. Unsere Devise lautet: »Nicht alleine das Krankheitsbild wird behandelt, sondern der ganze Mensch ist uns wichtig«. Wir versuchen für jeden da zu sein, zuzuhören und ihm therapeutische Hilfe zu geben.
Noch heute treffe ich Patienten, sogar von den Anfangsjahren. Wir sprechen über die Kinder und die alten Zeiten. Einer der ersten war damals Herr Mihan. Heute ist er wieder mein Patient und erinnert sich gern daran »wie es damals war...«.
Ein Artikel von Juliette Weber und Susan Richter
Natürlich gibt es ein Ideal der »guten Haltung«. Dennoch muss jeder an individuellen Zielen der Wirbelsäulenaufrichtung arbeiten.
Sich selbst und seine Schwächen kennen lernen, spüren, dass Stabilität und Flexibilität sich einander bedingen, sind dabei grundlegend wichtig. Ähnlich einem Dominospiel, wo das Verrücken eines Bausteines, wohin auch immer, zur Blockierung der nachfolgenden Bereiche führt, bzw. zu Blockaden in den Wirbelgelenken. Hier gilt es herauszufinden, in welchem Bereich der Stein verrückt ist, um ihn wieder in die Reihe zu führen.
Jeder hat Ressourcen, derer er sich nicht bewußt ist. Zu lernen, gezielt Impulse zu aktivieren und kräftesparend einzusetzen ist hierbei Therapieziel. Oft sind Menschen so in ihren eingeschliffenen Bewegungsmustern festgefahren, dass es therapeutischer Hilfe bedarf. Wir als Therapeuten finden mit Ihnen Übungen die schnell im Alltag und Beruf zu verwirklichen sind und ins Blut übergehen. Denn auch Stoffwechsel (Durchblutungsstörungen) und Wohlempfinden (Schlafstörungen) bauen auf einer guten Wirbelsäulenkonstellation auf.
Es gibt eine Vielzahl von Erkrankungen, die als Ursache einer instabilen Wirbelsäule entstehen, und es gibt genauso viele Therapieansätze. Hierbei stellt die Ergotherapie nur eine Möglichkeit dar. Jeder Patient sollte dabei selbst herausfinden, was ihm hilft und gesunden lässt.